Premiere des Familienstücks „Der gestiefelte Kater“
8. Juli 2026
2026
„Ich hatte schon Angst, dass ich heute vor leeren Rängen stehe!“. Mit diesen Worten eröffnete Peter Müller, Erster Beigeordneter der Stadt Renningen, am Sonntag, den 28. Juni, bei 37° C die Spielzeit 2026 des Naturtheaters Renningen bzw. die Premiere des Familienstücks. Entsprechend würdigte er den Besuch von sage und schreibe 334 Zuschauern, die sich trotz der Rekordhitze auf den Weg gemacht hatten, und sprach dem 42-köpfigen Ensemble erst einmal seinen Respekt dafür aus, unter diesen Umständen kostümiert auf der sonnigen Bühne zu stehen. Nach der kurzweiligen, motivierenden Eröffnungsrede und einem Countdown durch die Kinder im Publikum ging es dann auch schon los mit einer Uraufführung von „Der gestiefelte Kater“.
Zum ersten Mal nach fünf Jahren hatte sich das Naturtheater Renningen wieder für ein klassisches Märchen entschieden und es zeigte sich schnell, dass das, was dabei herausgekommen ist, beim Publikum ankam. Mit ihrer frisch daherkommenden, sehr unterhaltsamen und berührenden Eigenfassung bzw. Inszenierung hat es die Autorin und Regisseurin Christine Binder geschafft, der altbekannten Erzählung ein neues Gewand zu geben und ihr auch einen tieferen Sinn zu verleihen, ohne dabei den märchenhaften Charme preiszugeben. In stimmiger und für Kinder verständlicher Weise wurden die Betrügereien, mit denen der Gestiefelte Kater einen Müllersohn zum König werden lässt, in eine Geschichte eingebettet, welche den Kindern im Publikum zeigte, wie das, wovon man – entgegen einer vermeintlichen Bestimmung – träumt, wahr werden kann, wenn man mutig vorangeht, an sich glaubt und treue Freunde hat. Unterstützt durch das im positivsten Sinne schlichte Spiel des Darstellers Emil Zimmermann wurde der Müllersohn Hans in der Inszenierung von den vielen extravaganten Figuren der Märchenwelt künstlerisch abgesetzt und konnte damit für die jungen Zuschauer (die teils auch in die Handlung eingebunden wurden) zu einer Identifikationsfigur werden, die bodenständig und mutig sowie am Ende dann auch eben doch ehrlich ist und genau damit das Herz der Prinzessin (Luise Kaufmann) und letztendlich ein neues Leben gewinnt.
Als Wegbegleiter von Hans begeisterte neben dem Erhabenheit ausstrahlenden Gestiefelten Kater (Melanie Lange) auch ein liebevoll naiver und singender Esel (Dietmar Ilg), während die Zauberin Grissella (Martina Lange) als Gegenspielerin mit ihrer Exaltiertheit, den ihre Szenen unterstützenden Bühneneffekten sowie einem ihr unterstellten mystischen Krähenchor Eindruck machte. Als Publikumslieblinge kristallisierten sich jedoch ziemlich schnell die drei auf ganz besondere Weise und urkomisch in Szene gesetzten Rebhühner (Maya Buchmann, Theresa Müller und Rebekka Schütz) heraus, die sich durch Eitelkeit und Einfältigkeit auszeichneten. Ihre chorischen Äußerungen und Körperregungen, choreographisch anmutende Abfolgen von Gackerlauten und Hüpfbewegungen sowie durch Flügelschläge unterstützte Gefühlsäußerungen wurden mehrfach mit Szenenapplaus belohnt.
Neben den vielen humoristischen Elementen (teils auch eigens für Erwachsene), den sich dramaturgisch und inszenatorisch großartig voneinander abhebenden und damit eindrücklichen Figuren und der im Publikum resonierenden Romantik zwischen Hans und der Prinzessin bestach die Inszenierung aber auch durch eine gelungene Umsetzung der für eine Theaterbühne herausfordernden Szenen des Märchens. So wurde beispielsweise die Verwandlung der Zauberin in einen riesigen Elefanten, welche mit einer großen Maske und von einer Nebelmaschine unterstützt inszeniert wurde, vor allem dadurch auf sehr eindrückliche Weise erlebbar, dass das ganze Ensemble entweder mitstampfte oder von der Erschütterung hin- und hergeworfen wurde.
Zur Besonderheit der Inszenierung trugen wie immer auch die prächtigen und liebevollen Kostüme bei – die Auftritte eines Pfaus, eines Schwans und einer Ente im Rahmen eines Vogel-Contests stachen hier ganz besonders heraus – sowie das vielfältige Bühnenbild, zu dem unter anderem eine mehrstöckige Palastanlage und eine Mühle mit sich drehendem Rad gehört.
Nach einem mitreißenden, vom Ensemble live gesungenen Abschlusslied, welches die Botschaft des Märchens noch einmal in abrundender Weise konzentriert zum Ausdruck brachte, gab es vom trotz der Hitze begeisterungsfähigen Premierenpublikum schließlich sogar Standing Ovations.
Die im Vorfeld seitens des Naturtheaters ergriffenen Hitzeschutzmaßnahmen wie kostenloses Leitungswasser und eine Sprinkleranlage in der Pause waren zuvor rege und dankbar angenommen worden.
Trotzdem hofft das Naturtheater Renningen für seine Premiere des Abendstücks am Samstag, den 4. Juli, nun auf etwas angenehmere Temperaturbedingungen. Mit der opulenten Inszenierung „Die Tochter des Musketiers“ geht es dann ins abenteuerliche Frankreich des 17. Jahrhunderts, wo eine mutige Heldin die fatalen Folgen einer Verschwörung gegen das Königshaus abwenden muss.
Beide Stücke stehen anschließend bis Ende August auf dem Spielplan. Weitere Informationen, auch zum Kartenkauf, gibt es auf der Homepage www.naturtheater-renningen.de.


