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Rekordsaison für das Naturtheater Renningen

30. August 2026

Samuel Schradi

Mit neuen Zuschauerrekorden konnte das Naturtheater Renningen am 29. August seine diesjährige Spielzeit beenden. 12.909 Besucher waren zu den 27 Vorstellungen gekommen und damit so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte der Freilichtbühne.

Das von Regisseurin und Theaterpädagogin Christine Binder verfasste und inszenierte Familienstück „Der gestiefelte Kater“ war hierbei mit 8.324 Zuschauern das erfolgreichste Familienstück aller Zeiten, womit „Jim Knopf“ aus dem Jahr 2015 vom Thron gestoßen und um rund 400 Zuschauer übertroffen wurde. Mit zahlreichen ausverkauften Vorstellungen und überwältigenden Rückmeldungen vor Ort oder über verschiedene Kommunikationskanäle hatte sich schon ziemlich früh abgezeichnet, wie viel Anklang Binders Bearbeitung des klassischen Stoffes fand, die modern daherkam, ohne den märchenhaften Charme preiszugeben. Als „ein wirkliches Familienstück“ wurde die Inszenierung gelobt, die für Kinder verständlich war und sie mit Spannung, Witz und Herz unterhielt, während gleichzeitig auch die Erwachsenen viel zu lachen hatten und sich von der universalisierbaren Botschaft und den vielen eingeflochtenen Lebensweisheiten beeindruckt zeigten. Für anhaltende Begeisterung sorgten zudem in besonderem Maße die eindrucksvoll in Szene gesetzten Rebhühner.

Verborgen blieb den Zuschauern, dass die Darstellerin des Gestiefelten Katers, Melanie Lange, rund ein Drittel der Vorstellungen mit einem Muskelfaserriss im Unterschenkel bestreiten musste. Diesen zog sie sich zu, als sie als Kater aufgeregt herumlaufend den sich nähernden König auf den im Fluss badenden vermeintlichen Grafen aufmerksam machte. „Nicht das Gesicht verziehen, Meli!“, dachte die Darstellerin in diesem Moment, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, mit dem Spielen aufzuhören. Nach ihrer Szene wurde sie hinter der Bühne vom Sanitätsdienst versorgt und antwortete auf die Frage ihres Mitspielers „Was machen wir jetzt?“ mit: „Na wir spielen jetzt weiter!“. Es folgten ein Arztbesuch, Schmerzmittel, eine Bandage, Krücken, alle erdenklichen Hausmittel und ganz viel Schonung, um dann für die restlichen Vorstellungen wieder auf der Bühne stehen zu können. Niemand merkte dabei auch nur irgendetwas, was die Darstellerin immer wieder als ihren Anspruch angab, denn ein humpelnder Gestiefelter Kater oder einer mit Krücken sei für die Kinder kein richtiger Gestiefelter Kater. „Die letzten Zuschauer sollen genau das gleiche Erlebnis haben wie die davor!“. Auch wenn das für Melanie Lange bedeutete, dass sie nach jeder Vorstellung nur noch ihr Bein hochlegen und schlafen wollte.

Auch im Abendstück „Die Tochter des Musketiers“ gab es einige Vorfälle, die sogar zu Spielerausfällen führten. Zwei Darsteller mussten auf Grund eines medizinischen Vorfalls für eine Vorstellung ersetzt werden, einer davon sogar kurzfristig in der Pause, so dass eine Ersatzperson mit Textbuch auf der Bühne stand. Überdies kam das Kind der schwangeren Darstellerin Melina Kiefer einen Monat früher auf die Welt und somit nicht erst am Ende der Spielzeit. Ein Mitglied aus dem Ensemble übernahm spontan zusätzlich Kiefers Rolle der Wirtin. Vier Tage nach der Entbindung stand die frischgebackene Mutter jedoch schon wieder selbst auf der Bühne. Auf die Frage, ob sie das nur aus Pflichtgefühl oder gern getan habe, antwortete sie lachend: „Ich musste mal unter Menschen, die nichts mit Baby zu tun haben.“

Trotz aller Turbulenzen konnte aber auch „Die Tochter des Musketiers“ einen großen Erfolg feiern, indem die Inszenierung es mit 4.585 Zuschauern unter die Top 3 der erfolgreichsten Abendstücke der letzten 20 Jahre schaffte. Das von Regisseurin und Theaterpädagogin Janne Wagler auf die Bühne gebrachte Stück wurde von den Zuschauern als sehr kurzweilig befunden. Die schnellen Übergänge wurden gelobt, es gab viel zu sehen, die großen Bilder und atmosphärischen Massenszenen kamen ebenso an wie die Einzelszenen und stillen Momente. Ein gelungener Mix aus Ernst und Witz ließ dabei jeden auf seine Kosten kommen. Ein besonderes Highlight waren zudem die Fechtszenen, von denen sich das Publikum jede Woche erneut durch Zwischenapplaus sehr beeindruckt zeigte. Zum Publikumsliebling wurde überraschend Regine Zimmermann in ihrer hemmungslos und eindringlich in Szene gesetzten Rolle der Mme. Poquelin, Leiterin einer Schauspieltruppe, die in einem originellen Wechsel als einordnende Erzählerin fungierte und zugleich auf verschiedene Weisen als Figur in die Geschichte eingebunden war, womit das Publikum sehr ausdrucksstark in die barocke Welt hineingenommen wurde.

Auch das Wetter meinte es in diesem Jahr relativ gut mit dem Naturtheater, denn nur eine einzige Vorstellung musste wegen mehrfachen Gewitters unter- und schließlich abgebrochen werden. Zwei weitere Vorstellungen wurden kurzzeitig wegen starken Regens unterbrochen und eine vierte Vorstellung fand bei Dauerregen statt, doch ein Großteil der Zuschauer blieb sitzen, so dass selbstverständlich zu Ende gespielt wurde. Den in diesem Jahr mehr denn je präsenten Hitze-Phänomenen begegnete das Naturtheater erstmals mit einem professionell ausgearbeiteten Hitzeschutzkonzept, welches unter anderem auch kostenlose Wasserausgabe für die Zuschauer beinhaltete. Sowohl in Bezug auf den Hitze- als auch den Unwetterschutz gab es große Anerkennung seitens der Zuschauerschaft für die Organisation bzw. ausdrückliche Dankbarkeit für die verantwortungsvolle Versorgung.

Nach vier Wochen Pause wird es nun mit den vorbereitenden Workshops für die Produktionen des kommenden Jahres losgehen, die bereits in Arbeit sind. Beide Regisseurinnen werden dem Naturtheater erhalten bleiben und eigene Fassungen von „Robin Hood“ (Familienstück) sowie Alexandre Dumas‘ „Der Graf von Monte Christo“ (Abendstück) schreiben und inszenieren. Das Publikum kann sich somit jetzt schon auf zwei Uraufführungen im Jahr 2027 freuen. Der Kartenvorverkauf wird am 1. November auf www.naturtheater-renningen.de starten.

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