Von Chicago auf die Titanic – Der zweite Musicalworkshop
Vom 16. bis 18. Oktober haben wir uns zum zweiten Mal gemeinsam mit Workshop-Leiter Marco Beck intensiv mit dem Bereich Musical beschäftigt. Treffpunkt war diesmal die Aula des Schulzentrums Renningen.

Zum Einstieg gab uns Marco einen Überblick über die Geschichte des Genres: Aus welchen Vorläufern und Stilrichtungen das Musical hervorgegangen ist, wie es sich entwickelt hat und welche Formen es heute gibt. Dabei wurde deutlich, wie vielseitig dieses Genre ist. Anschließend ging es an die praktische Arbeit: Nach einem kurzen Einsingen teilten wir uns in Stimmgruppen auf. Unser erster Song war „All That Jazz“ aus „Chicago“. Wir haben ihn schrittweise erarbeitet: Zunächst den Text rhythmisch gesprochen, dann die Töne hinzugenommen und schließlich alles zu einer Melodie zusammengesetzt . An einzelnen Stellen sangen wir bereits mehrstimmig. Passend dazu lernten wir außerdem die ersten Grundschritte im Stil von Bob Fosse, dem Choreografen der Originalinszenierung.

Wie körperlich anspruchsvoll Musical ist, zeigte uns am nächsten Morgen das Warm-up, das es wirklich in sich hatte. Danach wiederholten wir „All That Jazz“, zunächst mit Marco am Klavier, später zum Playback, und begannen mit der Choreografie. Diese unterschied sich deutlich von der des ersten Workshops: langsame, bewusste Bewegungen mit starken Akzenten. Jeder erarbeitete die Schritte zunächst für sich, bevor wir sie zu einer Formation zusammensetzten. Ausgangspunkt war ein Dreieck, in kurzen Freestyle-Passagen suchte sich jeder eine neue Position in der Gruppe. Mit 21 Personen auf engem Raum war das eine echte Herausforderung. Auch wenn noch nicht jede Bewegung bei allen synchron war, entstand ein stimmiges Gesamtbild.

Im Anschluss kam der zweite Song: das Opening aus dem Musical „Titanic“, auf rund zehn Minuten gekürzt. Es verbindet gesprochene und gesungene Dialoge, kleine Solo-Stellen und Duette sowie große Ensemblenummern. Solange alle nach Stimmen sortiert standen, gelangen die mehrstimmigen Chorpassagen erstaunlich gut. Schwieriger wurde es beim Staging, also beim Anlegen der Szenen auf der Bühne. Plötzlich stand neben einem jemand aus einer anderen Stimmgruppe, und es erforderte viel Konzentration, die eigene Stimme zu halten. Damit nicht durchgehend das gesamte Ensemble auf der Bühne steht, erhielten verschiedene Gruppen eigene kurze Szenen. Zum Beispiel das Boarding der dritten, zweiten und ersten Klasse übernahm jeweils eine andere Gruppe, während die übrigen hinter der Bühne mitsangen. So hatte jeder seinen eigenen Auftritt mit einer kleinen Choreografie.
Ein besonderer Programmpunkt war die Masterclass am Abend. Zehn Teilnehmende hatten einen eigenen Song vorbereitet und trugen ihn allein oder zu zweit vor der Gruppe vor. Auch wenn wir uns im Verein gut kennen, ist es eine ungewohnte Situation, ganz allein auf der Bühne zu stehen und zu singen. Im Anschluss gab Marco jedem individuelles Feedback: Wie man bestimmte Töne sicherer erreicht, die Atmung besser einteilt, an Ausstrahlung gewinnt oder leichter in die eigene Stimmlage findet.

Am Sonntag kamen wir zeitlich gestaffelt, sodass Marco mit einzelnen Teilnehmenden gezielt an ihren Solopassagen arbeiten konnte. Sobald alle da waren, probten wir „All That Jazz“ noch einmal gesanglich und choreografisch und setzten dann die Arbeit an „Titanic“ fort. Laufwege, Positionen und Choreografien wurden festgelegt, und es folgten die ersten kompletten Durchläufe mit Feedback. Dabei zeigte sich, wie entscheidend das Timing ist. Einige Texte werden über laufende Musik gesprochen und jeder muss genau wissen, wann er auftritt, wo er abgeht und wo er anschließend wieder auftreten muss.

Nach der Mittagspause fügten wir alles zusammen: „All That Jazz“ mit fließendem Übergang in das Opening der „Titanic“. Die ersten Durchläufe waren noch holprig, doch mit jeder Wiederholung wurden wir sicherer. Eine große Hilfe war, dass wir die Notenblätter mit auf die Bühne nehmen durften, denn auswendig konnten wir den Text noch nicht. Marco unterstützte uns, indem er schwierige Stellen und Einsätze am Klavier anspielte und uns den Großteil der Zeit dirigierte. Gegen Ende machte sich die Anstrengung bemerkbar, vor allem bei den hohen Passagen für Sopran und Tenor. Im letzten Durchlauf gaben aber alle noch einmal alles. Das Ergebnis ist ein 15-minütiges Video, auf das wir sehr stolz sind.

Das Wochenende hat einmal mehr gezeigt, wie viel Freude die Arbeit an einem Musical macht und wie viel Energie und Engagement in unserem Ensemble stecken. Bei den letzten Durchläufen hatten viele von uns Gänsehaut auf der Bühne. Es war ein anstrengendes, aber sehr schönes Wochenende, an das wir sicher noch lange zurückdenken werden. Wir sind gespannt, wohin uns das Thema Musical noch führt…
Fotos: Méline Rimpp, Maurice Rimpp, Alexandra Eisenhardt, Henry Zimmermann





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